German text
modernized spelling
1 Weil Maria schanger ging,
Zu Augustus Zeiten,
Sich die Prophezei erging,
Niemand durfte streiten,
Wurd' vom Kaiser aufgesetzt,
Dass die ganze Welt geschätzt,
Ihm nun war verbunden.
Da ging jederman zum Ort,
Und zur Stadt seiner Geburt,
Wurd' gehorsam funden.
2. Also zog auch Joseph aus,
Samt seiner Vertrauten,
Weil er war von Davids Haus
Hielt's mit frommen Leuten,
Kam er ins jüdische Land
Zur Stadt Bethlehem genannt,
Und da traf sich's eben,
Dass ihr' Zeit erfüllet war,
Und sie einen Sohn gebahr,
Christus, unser Leben.
3. Den sie bald in Tüchlein wand,
Sein gar fleißig pflegte,
Und weil sie nicht Stelle fand
In ein' Krippen legte,
Denn dies hält er wunderlich
Seinen Eingang sonderlich,
Uns zu gut erkohren,
Da fing er sein Leiden an,
Welch's am Kreuz sein Ende nahm,
Nach dreimal elf Jahren.
4. Und die Hirten loben's wert,
Waren bei den Schafen,
Täten Fleiß bei ihrer Herd'
Legten sich nicht schlafen
Zu den'n trat ein Engel schnell,
Und Gott leuchtet um sie hell,
Das gab ihn'n erschrecken,
Der Engel sprach: Fürcht euch nicht,
Denn ich bring euch neu Geschicht,
Will euch Freud erwecken.
5. Euch ist heut ein Kind geborn,
Ein Heiland der Schwachen,
Der wird stillen Gottes Zorn,
Sein Volk selig machen,
zu Bethlehem ist's geschehn,
Da geht hin, ihr werdet sehn,
Das Kindlein zum Zeichen,
Ganz arm in einer Kripp' gelegt,
Da es Not und Kummer trägt,
Sich gibt zu erreichen.
6. Bald war da ein großes Heer,
Der heiligen Engel,
Die gaben Preis, Lob und Ehr,
Gott im höchsten Himmel,
Sangen ein neu fröhlich Lied,
Wünschten allem Erdreich Fried,
Wohlgefalln den Leuten,
Dass sie sich aus Herzens Grund,
Dem Herrn durch ein' neuen Bund
Im Glauben vertrauten.
7. Da nun die Botschaft verbracht,
Die Engel verschwunden,
Redeten gar wohl bedacht,
Die Hirten von Stunden,
Gehn wir miteinander dar,
Werden dieser Red' gewahr,
Die uns Gott erzeiget,
Gingen hin und funden klar,
Wie zu ihn'n gesaget war,
das Kindlein geleget.
8. Da sagten sie von dem Wort,
Und der Engel Klarheit,
Sehend an demselben Ort,
Die gewisse Wahrheit,
Und wer diese Red' vernahm,
Den kam groß Verwundern an,
Ob's wohl war verachtet,
Aber die Wort und Geschicht,
Hat Maria wohl bericht,
Gar manchmal betrachtet.
9. Und die Hirten wohlgemut,
Lobten Gott mit Freuden,
Gingen wieder an ihr Hut,
Ihre Herd' zu weiden,
Ei nun freu' dich Christenheit,
Und nimm an mit Dankbarkeit,
Christus dir geboren,
So wirst du gebenedeit,
Nach dem dir vor langer Zeit,
Dein Gott hat geschworen.
10. Ei, nun Herre Jesu Christ,
Weil du Mensch geboren,
Ein Heiland verkündet bist,
Deinen Auserkohrnen,
Tu auf unsers Herzens Pfort,
Dass wir recht fassen dein Wort,
Durch dasselb auf Erden,
Zu deiner Teilhaftigkeit
Und verheißnen Seligkeit
Neu geboren werden.
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German text
original spelling
1 Weil Maria ſchanger gieng,
Zu Augusti Zeiten,
Sich die Prophecey ergieng,
Niemand dorffte ſtreiten,
Ward vom Keyser aufgeſatzt,
Daß die gantze Welt geſchatzt,
Ihm nun war verbunden.
Da gieng jederman zum Ort,
Und zur Stadt ſeiner Geburt,
Ward gehorſam funden.
2. Alſo zog auch Joſeph aus,
Sampt ſeiner Vertrawten,
Weil er war von Davids Haus
Hielts mit frommen Leuten,
Kam er ins jüdiſche Land
Zur Stadt Bethlehem genannt,
Und da traff ſichs eben,
Daß ihr Zeit erfüllet war,
Unnd ſie einen Sohn gebar,
Chriſtum, unſer Leben.
3. Den ſie bald in Tüchlein wand,
Sein gar fleiſſig pfleget,
Und weil ſie nicht Stelle fand
In ein' Krippen leget,
Denn diß helt er wunderlich
Seinen Eingang ſonderlich,
Uns zu gut erkohren,
Da fing er ſein Leiden an,
Welchs am Creuz ſein Ende nahm,
Nach dreymal elff Jahren.
4. Und die Hirten lobens werth,
Waren bey den Schaffen,
Theten Fleiß bey ihrer Herd
Legten ſich nicht ſchlaffen
Zu den trat ein Engel ſchnell,
Und GOtt leuchtet ümb ſie hell,
Das gab ihnn erſchrecken,
Der Engel ſprach: Fürcht euch nicht,
Denn ich bring euch new Geſchicht,
Will euch Frewd erwecken.
5. Euch iſt heut ein Kind geborn,
Ein Heyland der Schwachen,
Der wird ſtillen GOttes Zorn,
Sein Volck ſelig machen,
zu Bethlehem iſts geſchehn,
Da geht hin, ihr werdet ſehn,
Das Kindlein zum Zeichen,
Gantz arm in einer Kripp gelegt,
Da es Noth und Kummer tregt,
Sich gibt zu erreichen.
6. Bald war da ein groſſes Heer,
Der heiligen Engel,
Die gaben Preiß, Lob und Ehr,
Gott im höchſten Himmel,
Sungen ein new fröhlich Lied,
Wündſchten allem Erdreich Fried,
Wolgefalln den Leuten,
Daß ſie ſich aus Hertzen Grund,
Dem HERRN durch ein newen Bund
Im Glauben vertrawten.
7. Da nun die Botſchafft verbracht,
Die Engel verſchwunden,
Redeten gar wohl bedacht,
Die Hirten von Stunden,
Gehn wir miteinander dar,
Werden dieſer Red gewahr,
Die uns Gott erzeiget,
Giengen hin und funden klar,
Wie zu ihnn geſaget war,
das Kindlein geleget.
8. Da ſagten ſie von dem Wort,
Und der Engel Klarheit,
Sehend an demſelben Ort,
Die gewiſſe Warheit,
Und wer diese Red' vernahm,
Den kam groß Verwundern an,
Obs wol war verachtet,
Aber die Wort und Geſchicht,
Hat Maria wohl bericht,
Gar manchmal betrachtet.
9. Und die Hirten wohlgemuth,
Lobten GOtt mit Frewden,
Giengen wieder an ihr Hut,
Ihre Herd zu weiden,
Ey nun frew dich Christenheit,
Und nim an mit Danckbarkeit,
Christum dir gebohren,
So wirſt du gebenedeyt,
Nach dem dir vor langer Zeit,
Dein Gott hat geſchworen.
10. Ey, nun HERRE Jeſu Chriſt,
Weil du Mensch gebohren,
Ein Heyland verkündet biſt,
Deinen Auserkohrnen,
Thu auff unſers Hertzen Pfort,
Daß wir recht faſſen dein Wort,
Durch daſſelb auff Erden,
Zu deiner Theilhafftigkeit
Und verheiſſnen Seligkeit
New gebohren werden.
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